Das Ei – Eine Geschichte aus Persien

erstellt am: 21.01.2014

Weihnachten ist ja bekanntlich ein „Fest der Liebe“ – und die Erwartungen an sich und andere machen es nicht einfacher, diese Zeit konfliktfrei zu überstehen. Ich habe Euch daher einen Text ausgesucht, der für mich diese inneren Kämpfe sehr gut zeigt. Versetzt Euch doch mal in die Lage einer jeden Person – versteht ihr sie? Und was ist das Ergebnis der Geschichte? Und fällt Euch eine bessere Alternative ein? Sicher!

Das Ei

Es war einmal ein Wesir, der hatte einen wunderschönen Garten, den er über alle Maßen liebte. Sein ganzer Stolz aber waren die Pfauen, die frei herumliefen und die von einem Pfleger mit viel Hingabe betreut wurden.

Nun hatte dieser Wesir einen Nachbarn, dem trotz vieler Mühen sein Garten nicht so gelang. Auch hatte er keinen Erfolg bei der Züchtung seiner Pfaue, die einfach nicht so prächtig gediehen. Vor lauter Neid und Wut darüber begann er nun, die Pfauen seines Nachbarn zu ärgern, indem er sie mit Steinen bewarf und sie auf jede nur mögliche Weise quälte.

Dies tat dem Pfleger in der Seele weh und er beschwerte sich heftig, konnte aber nichts ausrichten. Er hegte einen tiefen Groll gegenüber diesem üblen Genossen, konnte aber nichts ausrichten, weil der Wesir ihn nicht unterstütze.

An einem Festtag nun, an dem die Nachbarn wie üblich Geschenke austauschten und sich mit Höflichkeiten überboten, bat der neidische Nachbar den Wesir um ein Pfauenei, damit er seine Zucht verbessern könnte. Der Wesir wollte seinem Nachbaren diese Bitte nicht abschlagen und befahl dem Pfleger, eines der gerade gelegten Pfaueneier zu übergeben.

Der Nachbar war glücklich über dieses kostbare Geschenk. Er hegte es hingebungsvoll, er unternahm alles, damit das befruchtete Ei auch wirklich gedieh. Seine Vorfreude auf das Küken ließ ihn sanfter und freundlicher werden, er verteilte Geschenke und veränderte sein Verhalten so zum Guten, wie niemand es ihm zugetraut hätte.

Nach der üblichen Brutzeit aber tat sich nichts, gar nichts, auch wenn er das Ei nicht mehr aus den Augen ließ. Verzweifelt fragte er den Wesir um Rat, der sich wiederum an den Pfleger wandte. Der brachte die Erklärung: Das Ei war gekocht!

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